Eine Woche in Taizé

Veröffentlicht
17.08.2026

Vom 12. bis 19. Juli 2026 reiste ich (Ivo Bühler) mit vier jungen Erwachsenen zwischen 24 und 33 Jahren eine Woche ins malerische Burgund nach Taizé. Die meisten unserer kleinen Gruppe kannten Taizé bereits und warenvoller Vorfreude auf das, was uns erwartete: die Gespräche, das Kennenlernenneuer Menschen aus aller Welt, die Stille, das Lachen, der Tagesrhythmus mit den drei Gebetszeiten, die Einfachheit. Was wir nicht wussten: Eine einzige Frage sollte diese Woche prägen und uns länger begleiten, als wir ahnten.

"Was suchst du?"
Frère Matthew, Prior von Taizé, hat in seinem Brief an die Jugendlichen der Welt (https://www.taize.fr/de/was-suchst-du) für diese Woche eine Frage ins Zentrum gestellt, die Jesus selbst seinen ersten Jüngern stellte: "Was sucht ihr?" Die Antwort Jesu darauf ist bezeichnend: kein Vortrag, keine Erklärung, sondern die schlichte Einladung: "Kommt und seht!"

Dieses Motto tauchte in den Morgenimpulsen auf, in den Gesprächsgruppen, in derStille der Kirche. Und je länger die Woche dauerte, desto stärker spürte ich:Diese Frage wollte nicht beantwortet, sondern ausgehalten werden.

Drei Gebete am Tag
Der Rhythmus in Taizé ist einfach: Morgens, mittags, abends versammeln sichalle in der grossen Kirche zum gemeinsamen Gebet. Gesang, Stille, ein kurzerText. Dazwischen gibt es einen Impuls von einem Bruder der Gemeinschaft, denman anschliessend in einer Gruppe Gleichaltriger mit eigenen Gedanken undErfahrungen reflektiert und man übernimmt ein Ämtli (dieses Jahr machte ich denAbwasch am Mittag). Daneben gibt es viel Zeit für Stille oder Begegnungen.
Diesen Rhythmus erlebte ich immer als das Rückgrat einer Taizé-Woche. Mangewöhnt sich schnell daran, und man merkt schnell, was er bewirkt.

Fragen, die weiterreisen
Die Gesprächsgruppen waren wie immer klein und bunt gemischt, ausverschiedenen Ländern, verschiedenen Hintergründen. Über Sprachgrenzen hinwegwurde über die Tagesimpulse, aber auch über vieles andere, das einenbeschäftigt, geredet, manchmal holprig, manchmal überraschend direkt. Plötzlichsitzt man mit einer Unbekannten aus einem anderen Land beim Thema, was einem imLeben wirklich fehlt.

Dieses Jahr wurden nicht nur Anstösse für die Gesprächsgruppen vor Ort gegeben,zu jedem Tagesimpuls gab es auch eine Frage für die Reflexion zu Hause:

Was suchst du gerade in deinem Leben? Wo begegnest du Stille? Was macht dichwütend und was gibt dir trotzdem Hoffnung?
Für mich eine gute Anregung, die Erlebnisse von Taizé auch in den Alltageinfliessen zu lassen.

Menschen aus aller Welt
Neben dem Rhythmus und den Gesprächen ist es die Begegnung mit anderenMenschen, die eine Woche in Taizé ausmacht. Beim Mittagessen sitzt man nebenjemandem aus Polen, beim Abwaschen arbeitet man mit Menschen aus Spanien undBelgien, abends führt man ein langes Gespräch, bei dem man sich auf Englischund Handzeichen einigt.

Als fünfköpfige Gruppe aus der Schweiz sind wir angereist – und jede und jederist mit ganz eigenen Eindrücken und einer Handvoll neuer Kontakte wiederheimgefahren.

Was bleibt
Ich bin nicht nach Taizé gefahren, um Antworten zu finden. Aber ich bin mit einem klareren Gespür zurückgekehrt, was mich gerade beschäftigt. Die Frage"Was suchst du?" hat mir nicht gesagt, wo ich suchen soll. Sie hat mir jedoch gezeigt, wie wertvoll das Suchen selbst ist.
 

2027 planen wir wieder eine Taizé-Reise im Sommer und bei genügend Interesse zusätzlich eine kürzere Reise über Auffahrt.

Hast du Fragen oder möchtest du beim nächsten Mal dabei sein? Melde dich gerne unter ivo.buehler@juse-so.ch. Komm und sieh selbst!